Erstes Patronatsfest mit Erzbischof Mark am 19.10.2017

Liebe Brüder und Schwestern!

Der sprichwörtlich gewordene Unglaube des heiligen Apostels Thomas war ein rettungsbringender Glaube, oder Unglaube. Die Kirche betont immer wieder, dass dieser Unglaube rettungsbringend war. Natürlich war er nicht eine Einzelerfindung des heiligen Apostel Thomas, sondern er war gegeben vom Heiligen Geist, damit mehr und mehr Menschen den Glauben annehmen können: den Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Gottmenschen, der gekommen war, um die Menschheit zu retten. Vielen, und sogar den Aposteln, fiel es schwer, wirklich an Christus als den Gottmenschen zu glauben. Viele glaubten an Ihn als einen erhabenen Lehrer, als einen Propheten, aber nur wenige waren so bereit und gefestigt im alttestamentlichen Glauben, dass sie den Messias annehmen konnten.

So hat der kurzzeitige Unglaube des Thomas zur Vermehrung des Glaubens unter vielen Völkern gedient, und dient bis heute. Denn wenige Zeugen gibt es, die auf das hinweisen konnten, was der Apostel Paulus, was der Apostel Thomas als Grundlage seiner Verkündigung hat, nämlich die persönliche Erfahrung nicht nur des gehörten Evangeliums, sondern des gelebten Evangeliums und der erlebten, lebendigen Wunden, an Seinem toten Leib. Diese Erfahrung hat niemand anderes gemacht, und daher ist die Erfahrung des Apostel Thomas für uns von so großer Bedeutung.

In den Gesängen zum heutigen Tag hören wir immer wieder, dass er hingegangen ist zu einem dunklen Volk. Ja, dieses Volk war nicht nur von der Hautfarbe her dunkel, der der Inder, sondern es saß in der Dunkelheit, solange es die Erleuchtung durch den Glauben nicht erfahren hatte. Und insofern sind wir alle letztendlich Nachfolger des heiligen Apostel Thomas. Denn immer wieder begeben wir uns in die Dunkelheit, in die Finsternis, die wir durch unsere Sünden hervorrufen. Und immer wieder bedürfen wir der Auferweckung von dieser Gefangenschaft in der Finsternis durch das Licht Christi, durch die Worte der heiligen Apostel, die weitergetragen wurden in den heiligen Märtyrern, bis in unsere Zeit.

Die heiligen Apostel und allen voran der heilige Apostel Thomas, dessen wir heute gedenken, sind für uns Wegweiser auf dem Weg, den wir beschreiten wollen. Freiwillig, aus Liebe zum auferstandenen Herrn. Sehr oft ist das mit dem Martyrium verbunden, wie es bei den Aposteln war, ganz besonders beim Apostel Thomas, und wie es bei vielen und vielen unzähligen Märtyrern seitdem gewesen ist, und ist, und sein wird.

Das Martyrium ist ein Teil unseres Lebens in Christus. Und daher verehren wir die Apostel als große Verkünder des einen Wortes Gottes, des Wortes des einen Gottes, des Evangeliums der frohen Botschaft, die uns von der Herkunft des Sohnes Gottes aus dem Himmel und von der Niederfahrt in die Hölle kündet, und die Auferstehung und die Auffahrt in den Himmel bestätigt.

Diese Worte, die uns übergeben sind durch das Evangelium, sind für uns die Grundlage unseres Lebens, sind der Kern unserer Existenz. Daher verehren wir diesen Apostel wie alle anderen Apostel, aber heute an diesem Tag ganz besonders den heiligen Apostel Thomas, und versuchen mit kleinen Schritten in der Demut, die uns gegeben ist in der Nachfolge der Apostel und der Märtyrer, in dieser Demut Christus zu folgen.

Amen.

Predigt Seiner Eminenz Mark, des Erzbischofs von Berlin und Deutschland, zum Fest des heiligen Apostels Thomas am 19.10.2017 in München-Ludwigsfeld.