Biblische Gespräche

Am Fest „Schutz und Schirm der Gottesmutter“, Donnerstag, den 14.10. um 18:30 Uhr beginnen von Neuem die biblischen Gespräche, die von 2017-2020 regelmäßig als eine Veranstaltung der orthodoxen Pfarrkonferenz München in der Salvatorkirche stattgefunden haben.

Die einzelnen Termine und Themen sind unter der Rubrik „Biblische Gespräche“ auf dieser Seite ersichtlich.

Der neue Veranstaltungsort ist die Siluankapelle, mit der wir weiterhin über einen Ort im Zentrum verfügen, der gut erreichbar ist (7 Min. zu Fuß vom Hauptbahnhof). Es empfiehlt sich, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen, da die öffentlichen Parkplätze zu Geschäftszeiten meist belegt sind.

Adresse: Paul-Heyse-Str. 19, Rückgebäude. Die Kapelle befindet sich im Souterrain und ist über eine Außentreppe zu erreichen.

 

Am Gedenktag der Ikone d. Allerheiligsten Gottesmutter von Wladimir setzt die Apostel-Thomas Gemeinde das Gebet in der Siluankapelle fort.

Der heilige Siluan vom Berg Athos (+1939), dem die Kapelle gewidmet ist

Am Mittwoch, den 8.9. um 19:00 Uhr beten wir das erste Mal den Akathystos-Hymnus zur Gottesmutter in der Siluankapelle, die unsere Gemeinde von der Rumänisch-orthodoxen Metropolie übernommen hat.  Weiterhin wird die Siluankapelle Ort vieler Veranstaltungen und Gottesdienste sein, die zur Verbreitung des orthodoxen Glaubens in unserer Stadt beitragen sollen.

Unser Vorgänger, die rumänische Gemeinde mit Bischof Sofian, freut sich darüber, dass der Raum, der ihnen über 16 Jahre hinweg täglich als Gebetsstätte gedient hat, auch weiterhin eine orthodoxe Kirche bleibt – diesmal für eine deutschsprachige Gemeinde.

Biblische Gespräche, Chorproben, Treffen für die Jugend, Religionsunterricht und Erwachsenenkatechese, all das wird in der Siluankapelle neben der gottesdienstlichen Nutzung stattfinden können. Die sonntäglichen Gottesdienste in der Erzengel-Michael Kirche bleiben davon unberührt, ebenso die Frühliturgie in deutscher Sprache in der Kathedralkirche des hl. Nikolaus u.d. Neumärtyrer Russlands.

P. Thomas Diez

 

Ehrwürdiger Simeon von Daibabe, Montenegro, † 1.4.1941

                                                  Zu seinem 80. Todestag

Der ehrwürdige Simeon wurde in Zetine, der früheren Hauptstadt des Montenegro im Jahr 1854 geboren. Ungewöhnlich für diese Zeit, erhielt er als Stipendiat der Russischen Orthodoxen Kirche seine Ausbildung an den Kiewer Geistlichen Schulen. Danach widmete er sich dem Studium der Philosophie an der Sorbonne in Paris und hörte Vorlesungen an einem evangelischen Seminar in Genf, um mit den geistigen Strömungen der damaligen westlichen Welt bekannt zu werden. Nachdem er im Kiewer Höhlenkloster zum Mönch geschoren worden war und eine Zeitlang das Russland der Zarenzeit bereist hatte, kehrte er im Alter 34 Jahren in den Montenegro zurück.

Als Mönch des berühmten Klosters von Ostrog besuchte ihn einst Petko Isevič, ein armer Bauer aus dem Dorf Daibabe. Petko berichtete ihm von einer Vision, in der er einen in goldgestickte Gewänder gekleideten Mann mit einer Kopfbedeckung gesehen habe, auf der ein Kreuz abgebildet war. Dieser Mann hatte zu ihm gesagt: „Ich bin kein böser Geist, wie du denkst. Ich bin ein Heiliger, aber man hat mich hier vor den Türken vergraben. Ich war Bischof in dieser Gegend und Schüler eines großen Heiligen… Ich möchte, dass du hier ein Kloster für mich baust“.Vater Simeon verstand, dass es um einen Schüler des hl. Sawwa von Serbien ging, dessen Reliquien die Mönche vor den Türken versteckt hatten, damit sie sie nicht entweihten, wie es in der serbischen Geschichte zur Zeit des osmanischen Jochs geschah.

Der ehrwürdige Simeon entschied, dem jungen Petko zu helfen und errichtete am Rand des Dorfes Daibabe eine Kirche zu Ehren des Entschlafens der Allheiligen Gottesgebärerin, die im Jahr 1897 geweiht wurde und ihrer Architektur an ein Höhlenkloster erinnert.Der Ehrwürdige gab sich hier der geistlichen Askese hin und wurde vom Herrn der Gabe der Hellsichtigkeit gewürdigt; er las in den Seelen der Menschen und vermochte sie so zu einem Leben nach dem Evangelium Christi zu führen. Durch sein Gebet heilte er Kranke und befreite sie von schweren Versuchungen.

„Eine Stadt kann nicht verborgen bleiben, die auf der Höhe des Berges liegt“ (Mt 5,14), uns so kamen viele zu dem an Tugenden reichen Gerechten, baten um Rat und suchten das geistliche Gespräch, darunter auch Besucher aus dem Ausland. Das Volk liebte und verehrte Altvater Simeon sehr, wie auch die bekannten serbischen Asketen jener Zeit.  hl. Nikolai (Velmirovic) nannte den Ehrwürdigen einen „heiligen Mönch“, und Abbas Justin (Popovic) schrieb 1937, als er das erste Mal Daibabe besucht hatte, dass er „des rührenden Anblicks dieses großen serbischen Abbas gewürdigt worden sei“.

Im Jahr 1996 wurden die Reliquien des ehrwürdigen Simeon erhoben und ruhen seitdem in einem Schrein in der Tiefe der Höhle, den Pilgern für die Verehrung zugänglich.

 

„Aus der Schatzkammer der Lehren des Altvaters“

  1. Gott offenbart sich einem reinen Herzen. Die Natur spricht wie ein offenes Buch ständig von Gott.
  2. Gott spiegelt sich in der Natur wider, wie der Mensch in klarem Wasser.
  3. Eine Apotheke macht manchmal zu, aber die göttliche Barmherzigkeit – niemals.
  4. Gott wartet auf die Umkehr des Sünders bis zu seinem Tod.
  5. Wenn es keinen Schnee gäbe, wären Schlitten unnütz; und wenn es kein ewiges Leben gäbe, hätte der Mensch keine Bestimmung.
  6. Der Mensch legt die Herrlichkeit Gottes aus und ist ein Vermittler zwischen Gott und der Natur, wenn er geläutert und gerecht ist.
  7. Jeder Mensch empfängt von Gott eine gewisse Gabe, durch die er auf den Weg der Rettung geleitet wird.
  8. Die menschliche Lebensspanne ist kurz wie ein Tag, und dann tritt der Tod ein wie die tiefe Nacht. Lebe deshalb aufrichtig und bewahre dich vor der Sünde, solange der Tag deines Lebens währt, denn wenn die Nacht deines Todes kommt, wird es bereits zu spät sein.
  9. Es gibt Menschen, die in dieser Welt unbemerkt leben und ihre Tugenden verbergen. Aber es kommt sie Stunde, da ihre Taten offenbar und sie in Ewigkeit verherrlicht werden.
  10. Die Wahrheit gehört zum Menschen, und selbst zu dem, der oft gegen die Wahrheit handelt, denn es gefällt ihm nicht, wenn er merkt, dass er betrogen wurde.
  11. Der Heilige Geist erleuchtet das All. Er erleuchtet auch dich und hält sich in dir auf, wenn du Ihm gehorsam bist mit einem reinen Herzen, in dem das Feuer der Liebe jede Sünde verbrannt hat.
  12. Der Reisende, der auf ein Schiff möchte, braucht eine Fahrkarte, und der Christ, der in den Himmel kommen will, braucht ein reines Herz.
  13. Ein dichter Wald ziert jedes Kloster, und ein reines Herz erfreut Gott.
  14. Einen Ring kann auch tragen, wer nicht verheiratet ist, und heilig leben der, der kein Mönch ist.
  15. Versuche nicht, bei einer Schlange Beine zu entdecken, und mach dir keine Hoffnungen, das Paradies ohne Mühen und Anfechtungen zu erlangen.
  16. Dem Ölbaum ist das Seeklima angenehm, und der Seele eine gottesfürchtige Gesellschaft.
  17. Bei Regen braucht man einen Schirm, die Seele braucht die Demut. Einen Schirm kann man für Geld kaufen, die Demut durch die Erkenntnis seiner selbst.
  18. Wie du den Leib umsorgst und kleidest, damit er lebt, so auch die Seele. Sie ist hungrig und nackt, wenn sie keine guten Taten und keinen reinen Glauben hat. Über eine solch schwache Seele fallen leicht böse Geister her.
  19. In den Krieg zieht man nicht ohne Blei und Pulver, und christlich lebt man nicht ohne Glauben und gute Taten.
  20. Wo es kräftige Bienen gibt, flieht vor ihnen die Spinne, und wo der Glaube stark ist, haben es die bösen Geister schwer, anzugreifen.
  21. Ein Kleinkind weint, wenn die Mutter es wäscht, der Kleingläubige aber murrt gegen Gott, wenn ihm ein Unglück zustößt, das die Seele reinigt wie Wasser das Gesicht.
  22. Der Schneider braucht Nadel und Faden zum Nähen, und der Mensch Glauben und Liebe zur Rettung.
  23. Ruhig ist das Meer, wenn es windstill ist, und das Gewissen des Menschen, wenn er das tut, was er kann.
  24. Wer schlecht sieht, mag eine Brille nehmen, und wer die Heilige Schrift verstehen möchte, der möchte zum Glauben auch Demut haben.
  25. Mit einem Schlüssel schließt man eine Tür auf, und mit der Barmherzigkeit erlangt man das ewige Leben.
  26. In eine Stadt kann man von verschiedenen Seiten gelangen, und in das Himmelreich mit unterschiedlichen Tugenden: wenn du es nicht mit dem Reichtum vermagst, wie Abraham, dann durch die Armut, wie Lazarus.
  27. Wer nachts mit einer Lampe geht, leuchtet sich und anderen, und wer Gutes tut, rettet sich und den anderen.
  28. Das geschorene Schaf soll mehr vor Unwetter geschützt werden, und der schwache Sünder vor strenger Verurteilung.
  29. Wie in den Kirchturm der Blitz einschlagen kann, so kann auch den Gerechten ein Unglück treffen.
  30. Wo es keinen Lehrer gibt, missraten die Kinder, und wo es keine Gottesfurcht gibt, herrscht das Laster.
  31. Der Schnee schmilzt durch die Wärme, und das Herz verdirbt durch schlechte Gespräche.
  32. Man muss die Freude erfahren, die dir das Leiden beim freiwilligen Tragen des Kreuzes bringt. Wenn du leidest, wie Lazarus im Evangelium, und Krankheit und Unglück ohne Murren erträgst, so wisse, dass du deiner Seele ein großes Gut verschaffst.
  33. Bei der Post braucht es eine Marke für den Brief, und beim Gebet – Frieden mit allen. Sonst wird der Brief auf der Post nicht angenommen, und das Gebet wird Gott nicht wohlgefällig sein.
  34. Unterbrich einen Menschen nicht beim Reden, und denk beim Gebet an nichts anderes, denn das ist taktlos und sündig.
  35. Fordere von Gott keine Wunder, denn Er weiß, wann Er sie dir schenkt.
  36. Wahre Wunder haben den großen Nutzen, den Glauben zu stärken, Scheinwunder schaden dem Glauben und der Rettung.

                                                                                     P. Georgij Maximow, P. Thomas Diez

 

Liturgie in deutscher Sprache am Sonntag, den 7.2.2021, dem Patronatsfest der Kathedralkirche

Am Sonntag, den 7. Februar feiert die Gemeinde der Kathedrale zu Ehren der heiligen Neumärtyrer und Bekenner Russlands ihr Patronatsfest. Es ist noch möglich, sich zur Frühliturgie in deutscher Sprache um 7:20 Uhr auf der Seite der Kathedrale (sobor.de) anzumelden.

Unter den Neumärtyrern und Bekennern Russlands versteht man jene Christen, die der 72 Jahre währenden atheistischen Ideologie des Kommunismus zum Opfer fielen. Zehntausende orthodoxer Christen wurden aufgrund ihres standhaften Glaubensbekenntnisses durch die Sowjets hingerichtet, allen voran die Angehörigen des geistlichen Standes. Selbst die Christenverfolgungen der Antike stellte diese Entfesselung dämonischer Kräfte in den Schatten. Einen sinnlosen Aufstand gegen den Allmächtigen Schöpfer führend, hatte sich die Sowjetmacht gerade die Kirche als Hauptfeind auserkoren! Christen wurden willkürlich zu Volksfeinden erklärt. Doch die Neumärtyrer gaben in den Verhören an, dass sie Gott dienten, und nicht gegen die staatliche Gewalt kämpfen; dass sie sich nie von Gott lossagen würden, denn Er war ihr Sinn und ihr Leben. Ihre Kraft schöpften sie aus dem heiligen Kelch. Aus den Händen der Neumärtyrer haben die Gläubigen die Praxis der häufigen Kommunion empfangen, denn vor der Oktoberrevolution war der einmalige jährliche Empfang der heiligen Gaben weit verbreitet. Zur Sowjetzeit nutzte das gläubige Volk jede Gelegenheit, zum Kelch hinzuzutreten, da es verstand, dass man nicht mit seinen eigenen Kräften, ohne Gott, gegen den Teufel kämpfen konnte, der sich gegen die Christen erhoben hatte.

Die Neumärtyrer und Bekenner Russlands haben den Kommunismus besiegt, mit ihrem Blut, durch ihr lebendiges Zeugnis, dass Christus von den Toten auferstanden ist und den Tod vernichtet hat. Sie haben Christus die Treue bis in den Tod bewahrt – sogar gegen ihr eigenes Volk – und den Grund gelegt für das Aufblühen des orthodoxen Glaubens und der Kirche in Russland in unserer Zeit.

 

TROPARION, 4. TON:

Ihr Blumen der russischen geistlichen Wiese, /

wunderbar blühtet ihr auf in den Jahren schwerer Verfolgung, /

zahllose Neumärtyrer und Bekenner /

Hierarchen, Leidensdulder von Zarengeschlecht und Hirten /

Mönche und Laien, Männer, Frauen und Kinder, /

die ihr Christus in Geduld gute Frucht dargebracht, /

betet zu Ihm, der euch eingepflanzt, /

auf dass Er Sein Volk von den Gottlosen und Bösen befreie, /

und die Russische Kirche festige /

durch euer Leiden und Blut //

zur Errettung unserer Seelen.

 

 

Neue Veröffentlichung: Vom Buddhismus zum Christentum

Unter der Rubrik „Mission“ auf dieser Seite ist die bewegende Erzählung des Amerikaners Nilus Stryker: „Durch das östliche Tor – das Licht, das meinen Namen kannte“ erschienen. Der Autor beschreibt seine Entdeckung des orthodoxen Christentums, als er noch praktizierender Buddhist war. Ein sehr authentisches Zeugnis, lesenswert und nützlich für alle, die sich von fernöstlichen Religionen angezogen fühlen, ohne ihre eigenen christlichen Wurzeln zu kennen!

 

Zusätzliche Gottesdienste im Dezember 2020

Auch dieses Jahr feiern wir das Hochfest des Einzugs der Gottesmutter in den Tempel mit dem Segen von Bischof Sofian von Kronstadt in der rumänisch-orthodoxen Siluankapelle. Es wird keine Vigil geben, dafür den Morgengottesdienst am Festtag selbst, Freitag, den 4.12.2020 (s. auch „Gottesdienste“).

Die Siluankapelle ist in 7 Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof zu erreichen. Am Morgen vor Beginn der Ladenöffnungszeiten lässt sich i.d. Regel aber auch ein Parkplatz finden.

Am 18./19. Dezember (Fr./Sa.) feiern wir in der Ludwigsfelder Michaelskirche den Gedenktag des heiligen Nikolaus von Myra.

 

Lasst uns die hll. Neumärtyrer Elisabeth und Barbara verehren!

Die Gottesdienste werden nicht wie ursprünglich vorgesehen in der Michaelskirche gehalten, sondern nur im russisch-orthodoxen Frauenkloster zu Ehren der heiligen Elisabeth (in kirchenslawischer Sprache), das damit sein Patronatsfest begeht.

Die hl. Elisabeth war eine Prinzessin des Hauses Darmstadt, die ältere Schwester der letzten russischen Zarin Alexandra Fjodorowna und wurde im Jahr 1918 gemeinsam mit ihrer Zellendienerin, der Nonne Barbara, auf Veranlassung der Sowjetmacht ermordet. Im Jahr 2021 fällt das Fest der hl. Elisabeth auf einen Sonntag, und wird dann mit Gottes Hilfe in der Apostel-Thomas Gemeinde in deutscher Sprache in gefeiert werden können. Die Adresse des Frauenklosters: Buchendorf (Gauting), Forstenrieder-Park-Str. 2

Freitag, der 17.7., 18:00 Uhr  –  Vigil

Samstag, der 18.7., 6:30 Uhr  –  Einzug des Bischofs in die Kirche, 7:00 Uhr  –  Göttliche Liturgie. Voraussichtlich bewirtet die Schwesternschaft danach die Gläubigen und Pilger.

 

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Freunde der heilig Apostel-Thomas Gemeinde!

Gemäß einer Absprache zwischen der Diözesanleitung und der Bayerischen Staatsregierung dürfen ab dem 20. Juni wieder alle Gottesdienste ohne Kürzungen gehalten werden, wobei auch kein Nasen-Mundschutz mehr zu tragen ist. In Anbetracht der Größe der Gemeinde und der Anzahl der zu erwartenden Besucher ist eine Anmeldung zu den Gottesdiensten in Ludwigsfeld nicht mehr notwendig, mit Ausnahme der Göttlichen Liturgie am Fest der Apostel Petrus und Paulus am 12. Juli (Anmeldung wie bisher unter der Telefonnummer 08807/2140090 oder 0151/42442189). Auch zu den Liturgien am jeweils 1. Sonntag der Woche in der Nikolauskirche meldet man sich weiterhin an (im Internet über die Seite sobor.de). Im Kirchenraum soll ein Abstand von 1,5 m zwischen den Personen eingehalten werden, die nicht zu einer Familie gehören.

 

CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!                                                                                                               CHRIST IS RISEN!  CHRISTUS ZMARTWYCHWSTAL!  ХРИСТОС ВОСКРЕСЕ!  CHRISTO È RISORTO!  İSA DİRİILDİ!  ΧΡΙΣΤΟΣ ΑΝΕΣΤΗ!

ER IST WAHRHAFT AUFERSTANDEN!                                                                                                      HE IS RISEN INDEED!  ZAISTE ZMARTWYCHWSTAL!  ВОИСТИНУ ВОСКРЕСЕ!  È VERAMENTE RISRTO!  EVET, GERÇEKTEN DE DİRİLDİ!  ΑΛΗΘΩΣ ΑΝΕΣΤΗ!

 

Erzbischof Theodosios (Snigirjow): „Die Kirche muss für Katastrophen größeren Ausmaßes bereit sein“

ApokalypseAktuell beherrscht das Thema Coronavirus die gesamte Medienlandschaft. Wie sich in den letzten Wochen gezeigt hat, war dieses Problem in der Kirchengemeinschaft umstritten. Zu diesem schwierigen Thema führen wir heute ein Gespräch mit Erzbischof Feodosij (Snigirjow), Vikarbischof des Metropoliten von Kiew und der gesamten Ukraine Onufrij und außerordentlichem Professor der theologischen Akademie in Kiew.

– Eure Exzellenz, es gibt eine heftige Debatte in der Kirchengemeinschaft – sollten die hygienischen Vorgaben und Normen der weltlichen Behörden für die Kirche gelten? Wird das Virus durch die Kommunion übertragen? Was geschieht, wenn wir die Kirchen schließen müssen? Was sagen Sie zu all diesen Fragen?

–  Die Tatsache, dass das Thema Coronavirus zum Anlass für Diskussionen innerhalb der Kirche wurde, ist sehr zu begrüßen. Die Kirche muss immer auf äußere Herausforderungen und Gefahren vorbereitet sein, auch wenn man in ruhigen Zeiten eher entspannt sein kann. Das Coronavirus ist eine gute Gelegenheit für unsere orthodoxe Kirche, sich auf die eschatologische Zeit vorzubereiten – theologisch, kanonisch und liturgisch. Verlautbarungen zu diesem Thema waren bislang meistens konzeptuell unreif und nicht von Weitsicht bestimmt.

– Was meinen Sie damit?

– Es gibt hauptsächlich zwei entgegengesetzte Positionen, von denen jede ein Extrem vertritt. Unangemessenes Extreme, wie es mir scheint. Das erste Extrem: – „Lasst uns zunächst bedingungslos auf alle Vorschriften der örtlichen Behörden eingehen, die Kirchen schließen und auf die Kommunion und andere Sakramente so lange verzichten, bis die Pandemie beendet ist“. Einige Ortskirchen haben diesen Weg bereits eingeschlagen und entsprechende Entscheidungen getroffen. Das zweite Extrem kann ungefähr so umschrieben werden: „Den Gläubigen kann überhaupt nichts schaden, hört nicht auf diese Horrorgeschichten. Wir gehen öfter in die Kirche, nehmen die Kommunion und alles wird gut. Wenn wir uns anstecken, ist dies unser Schicksal“. Ich glaube, dass diese beiden Extreme aus theologischer Sicht unvollkommen sind und für die Kirche sehr gefährlich sein können; wenn nicht heute, dann in der Zukunft.

   Sie sehen, der Fürst dieser Welt, der sich in einer säkularen Welt der Kirche Christi widersetzt, prüft ständig unsere Stärke und sucht nach Schwachstellen, durch die er in das Leben der Kirche eindringen kann. Jetzt versucht er uns auch mit diesem Coronavirus „den Zahn zu ziehen“. Vielleicht werden wir in ein paar Monaten mit einem Lächeln auf diese Schreckensnachrichten zurückblicken, ähnlich wie wir uns jetzt an die „Vogelgrippe“ oder die „Schweinegrippe“ erinnern. Doch das, was jetzt von der Kirche gesagt und angenommen werden wird, wird für sehr lange Zeit und vielleicht auch für immer Konsequenzen im Theologischen, Kanonischen und Liturgischen haben. Ohne inhaltlich näher darauf einzugehen, was das Coronavirus ist – eine Technologie der Beeinflussung oder eine echte Pandemie, sagen wir nur, dass die Doktrin, die die Kirche heute in Verbindung mit dieser Situation entwickeln wird, in Zukunft entweder Immunität und Schutz gegen stärkere und raffiniertere Angriffe auf die Kirche bewirken oder zu einem Riss im Schiff der Kirche führen wird.

 – Wie kann es dazu kommen, worin liegt die Schwäche der Positionen, die heute von Gläubigen geäußert werden?

 – Ich beginne mit der zweiten Extremlösung – „uns kann nichts schaden!“- das klingt zumindest sehr selbstbewusst und riecht nach spiritueller Selbstüberschätzung. Ein solcher Hochmut entsteht aus dem Neophytentum der Sprecher dieser Position, aus ihrer Unkenntnis der Kirchengeschichte, der orthodoxen Askese, aus dem Mangel an Erfahrung mit ihren Schwächen, einschließlich der Schwächen ihres persönlichen Glaubens. Sie sind sich gewiss, dass die Worte des Evangeliums „Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden“ (Mk 16,18) persönlich über sie gesagt sind, über ihren gegenwärtigen spirituellen Zustand berichtet. Ohne auf die Details dieser Diskussion einzugehen, stelle ich nur fest, dass die Geistlichen der älteren Generation sowie Laien aus traditionell orthodoxen Familien, die die Kirche ihrer Großväter und Urgroßväter aufgenommen haben, solches Selbstvertrauen nicht hatten – „uns kann nichts schaden!“, obwohl gerade der älteren Generation aufgrund ihres Glaubens und ihrer Demut wahrscheinlich tatsächlich nichts passieren wird. Und wo ist die Grenze zwischen «schaden» und «nicht schaden»? Der eucharistische Kelch – Weihwasser – wundersame Ikone – einfache Ikone – Tempel – Getränk – Priestersegen – Kerze, Prosphore? Wie kann man bestimmen, wo man sich infizieren kann und wo nicht? Und wenn Sie sich an die Aussage des Heiligen Synods an die Notwendigkeit erinnern, die Kirche zu desinfizieren und Einweggeschirr zu verwenden, heißt das nicht, dass man sich nicht doch irgendwo infiziert kann? Gibt es hier einen Platz für ein Wunder? Und wo ist die Grenze zwischen dem Wunder und dem Gewöhnlichen? Persönlich denke ich, dass es sicherlich einen Raum für Wunder gibt. Aber es gibt auch eine Grenze. Nur kann diese Grenze nicht so simpel bestimmt werden, wie wir es vielleicht wünschen und wie wir es aus praktischer Sicht gerne hätten: Sieh, hier aus dem Kelch kann man sich anstecken, und hieraus kann man trinken, weil es sich um einen Einwegbecher handelt. Hier ist alles viel komplizierter, und dies ist ein Bereich für die Arbeit der Kommissionen des Synods und die weisen Beichtväter. Aber jetzt geht es nicht darum. Menschen, die die göttliche Gabe des Denkens ablehnen, weil sie darauf vertrauen ein Recht auf ein Wunder zu haben, machen es dem Feind sehr leicht einzubrechen – sowohl geistlich als auch körperlich

Wenn so eine verführerische Hypothese – „uns kann nichts schaden!“ – ohne Vorbehalte heute als eine allgemeine Lehre der Kirche angenommen werden würde, könnte es das in der Zukunft zu einem mächtigen Werkzeug in den Händen des Teufels werden, um die Kirche zu bekämpfen. In der Tat ist es für den Feind sehr leicht, diejenigen zu brechen, die auf ihre Gerechtigkeit und ihr Recht auf ein Wunder vertrauen und die göttliche Gabe des Denkens ablehnen – sowohl geistlich als auch körperlich. Die Stolzen lässt Gott selbst zuschanden werden, doch den Demütigen schenkt Er Gnade. Ich denke, die Leser können sich leicht selbst mögliche Szenarien ausdenken, wie die Gegner der Kirche ganze Gemeinschaften solcher gläubiger stolzer Menschen vergiften/ infizieren/ entweihen können. Es sei denn, der Herr hat Erbarmen mit seinen törichten und auf sich selbst vertrauenden Kindern und schickt Ihnen einen neuen großen Märtyrer wie Theodor den Tyronen zur Rettung …

 – Und was kann es schaden, wenn unsere Kirche es zur Regel macht, die Anweisungen der Epidemiologen vollständig zu befolgen, wie dies bereits in einer Reihe von Kirchen getan wurde?

 – In diesem Fall geraten wir einfach in eine Falle, die hinter uns zuschlägt. Die Kirche auf Erden wird sich jedenfalls irgendwann, zur Zeit des Antichristen, in einer ähnlichen Falle befinden, wenn uns die Freiheit, die Liturgie zu feiern und vieles anderes, entzogen wird. Aber wozu diese Probleme selbst heraufbeschwören? Wenn die Kirche eine Doktrin übernehmen sollte, auf soziale Probleme zu reagieren, die darin besteht zu sagen – „was man auch von uns verlangt – tun wir es“, dann werden die Behörden in verschiedenen Ländern in naher Zukunft in der Lage sein, unsere Kirchen zu schließen und die Gläubigen  unter beliebigem „humanitären“ Vorwand der Liturgie zu berauben: Eine Pandemie, die Gefahr eines Atomkriegs, der Klimawandel, usw. Die Gläubigen der Ukraine, und jetzt auch des Montenegro, haben in jüngster Zeit sehr gut verstanden, wie die gegenwärtige Politik versuchen kann, Millionen Gläubige zählende kirchliche Gemeinschaften mit ihren Steuerhebeln zu ruinieren und zu zerstören, ohne dabei die Maske der Humanität zu verlieren. Das stimmt nicht optimistisch. Wir müssen schon heute darauf vorbereitet sein, dass die Kirche unter ähnlichen Bedingungen existiert. Blind den Machthabern zu folgen hieße, in ausgebreitete Netze zu fallen.

 – Und wie sieht der Ausweg aus? Welche theologischen und kanonischen Grundlagen der Kirche müssen heute für die Lösung solcher Fragen gelegt werden, um sich in Zukunft vor Problemen zu schützen?

 – Unsere Kirche hat bereits damit begonnen. Die Aussage des Heiligen Synods der Russisch-orthodoxen Kirche im Zusammenhang mit der Epidemie bewahrt die Herde fest und eindeutig vor einem einseitigen Verständnis und damit vor einer einseitigen Lösung des Problems. Ich denke, dass die Fachkommissionen der Kirche noch sehr gut und schnell daran arbeiten müssen, um die richtigen Mechanismen für den Schutz der Kirche und die richtigen Worte zu finden, um diese Mechanismen den Gläubigen zu erklären. Ich werde meinen Standpunkt äußern, der sich vielleicht teilweise als unvollkommen oder fehlerhaft herausstellen kann – das wird nach den endgültigen Definitionen der Kirche klar werden. Es scheint mir einerseits notwendig, ein innerkirchliches Konzept des Schutzes der Gläubigen vor Informationen zu allen möglichen Pseudo-Viren zu erarbeiten, wie auch vor den Technologien der heutigen Geopolitik. Gleichzeitig muss die Unbestimmtheit der tatsächlichen Gefahr einer Epidemie mitberücksichtigt werden, wenn solche Technologien in Zukunft eingesetzt werden. Dies bedeutet, dass der tatsächliche hygienische Schutz der Gläubigen beim Kirchenbesuch eine Art „schneller Einsatz“ sein sollte.

Andererseits müssen wir immer bereit sein, dass sich die Worte des Evangeliums erfüllen:

„Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören; habt acht, erschreckt nicht; denn dies alles muss geschehen; aber es ist noch nicht das Ende. Denn ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es wird hier und dort Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben geben. Dies alles ist der Anfang der Wehen“ (Mt 24,6–8).

 Dies bedeutet, dass es notwendig ist, ein liturgisches Konzept des Lebens der Kirche zu entwickeln und zu besitzen, wenn die Gesellschaft in Wirklichkeit plötzlich einer echten tödlichen Infektion oder einer Kontamination von Gebieten mit Giften oder Strahlung ohne die Möglichkeit einer Evakuierung ausgesetzt ist. Das sind keine Phantasien und keine Schreckensnachrichten. Das ist die apokalyptische Realität der Zukunft. Wann die Kirche mit dieser Realität konfrontiert wird, weiß niemand, nur Gott. Aber Ihre Vorboten oder, sagen wir, Generalproben finden jetzt schon statt. Zum Beispiel das Coronavirus. Und die Kirche sollte sich heute schon auf mögliche Katastrophen größeren Ausmaßes und echte Pandemien einstellen.

 Was ist die Alternative zum öffentlichen Gottesdienst? Was ist das Maß für die Zulässigkeit einer Desinfektion (Dekontamination usw.) der Heiligtümer? Gibt es bei einer totalen Epidemie eine Alternative zum Kommunionempfang in der Kirche? Kann es in solchen Ausnahmesituationen sein, dass die Heiligen Gaben von Laien berührt werden dürfen und ihnen zu Hause die Kommunion gereicht werden kann, wie es in der alten Kirche der Fall war?

In diesem Fall ist es notwendig zu bestimmen, wer der echte «Laie» ist und wer nicht. Feste Listen von Gemeindemitgliedern? Einweggefäße für die Heiligen Gaben? Beichte aus der Entfernung? All dies sind Fragen, von denen ich sicher bin, dass Sie früher oder später vor unserer Heiligen Orthodoxen Kirche stehen werden. Gott gebe das so spät wie möglich. Aber es ist notwendig, sich auf Ihre Lösung bereits jetzt vorzubereiten.

 

 

Mit Erzbischof Theodosius (Snigirjow) sprach Diakon Sergiy Geruk

19.März 2020

(Quelle: pravoslavie.ru   links:Ikone „Apokalypse, unten: Ikone „Die Hand Gottes“)